Donnerstag, 4. November 2010

Um- lei -tung

Da Blogspot neben Facebook, Youtube und diversen anderen Internetseiten in China gesperrt ist,habe ich meinen Blog einstellen müssen. Über meine nächsten Jahre in China habe ich später ein Buch verfasst, das gerne bei mir bestellt werden kann: "Sieben Jahre China".

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Jinhua. Ca. 400.000 Einwohner. 300 km südlich von Shanghai. Arbeiten als einziger Deutscher an einer chinesischen Eliteschule.

Das wird wohl ab November mein neuer Arbeitsplatz sein für die kommenden Jahre. Doch erst nochmal ein wenig Warten auf die restlichen Papiere...

Demnächst hier mehr.

Freitag, 27. August 2010

Nach einem etwas durchwachsenen 1. Jahr Auslandsschulwesen, mit einigen Monaten Wartezeit, einigen Monaten Vereinte Arabische Emirate und - schließlich - einigen Monaten Saudi-Arabien, ist das Kapitel arabische Welt für mich nun abgeschlossen.

Leider? Ja, leider, hat doch die Arbeit an der Deutschen Schule viel Spaß gemacht und hat doch das Land viel mehr zu bieten als nur Sand, Sonne und Wüste.

Die beiden Hauptgründe für meinen Abbruch möchte ich aber hier nicht näher erläutern. Wer mehr wissen möchte, kann mich gerne kontaktieren.

Ob mein Blog nun demnächst aus Michelstadt kommt und ich über Menschen und Sitten im Odenwald berichte oder womöglich woanders hin vermittelt werde, das erfahrt Ihr hier in Kürze.

:-)

Donnerstag, 10. Juni 2010

Ein weiteres Highlight Saudi-Arabiens sind neben den Wüsten auch Jeddah und das Rote Meer. Bereits zweimal war ich in den ersten Monaten dort, einmal alleine, einmal mit meiner 9.Klasse während einer dreitägigen Klassenfahrt.

Beim ersten Mal kannte ich noch niemanden und so habe ich mich in einem Hotel einquartiert. Wie sich zeigen sollte, war das keine schlechte Idee, denn die deutsche Flugbegleitung der Lufthansa war dort auch untergebracht und schnell hat man erste Kontakte geknüpft. Da in Deutschland gerade gestreikt wurde, hatte die Crew ein paar Tage Aufenthalt und genoß Hotel, Strand und Schnorcheln genauso wie ich. Ein Südafrikaner, der seit Jahrzehnten in Dubai arbeitet und beruflich gerade in Jeddah weilte, gesellte sich am Abend zu uns. Interessante Geschichten wurden ausgetauscht und als ich ins Bett ging, wusste ich unter anderem, dass die Flugbegleiter nach ihrer Hauptstrecke Frankfurt-Jeddah meist weiter in den Sudan fliegen, um dort Hilfsgüter abzuliefern, die ihnen die Bevölkerung geradezu aus dem Händen reißt oder dass die Firma des Unternehmers gerade in Jeddah ein Milliardenprojekt für einen Flughafenneubau abgeschlossen hatte.

Ins schwülwarme Jeddah kommt man vor allem wegen dem Roten Meer. Das Wasser hat hier einen Salzgehalt von hohen 2%, doch dadurch hat man gute Sicht, keine Seeschlangen und wenig Algen. Fische gibt es bei 2000 Kilometern bunter Korallenriffe zuhauf: Arabische Doktorfische, Barakudas, Skorpionfische, Schildkröten und Blaupunktstachelrochen findet man, ohne dass man lange warten und suchen müsste. An einem Tag war ich alleine am Strand und es waren so viele Fische im Wasser, dass ich mich nicht ins Wasser getraut habe (Barakudas und Triggerfische sind zuweilen sehr aggressiv). Keine Bange: den Trigger-Fisch (oben) und den gefleckten Zackenbarsch (links) haben wir nicht gegrillt, sondern nach dem Photo wieder ins Meer zurückgegeben!

Während ich beim ersten Mal nur am Ufer des Beach Resorts geschnorchelt bin, habe ich beim zweiten Besuch mit den Schülern einen Tagesausflug mit einem Boot gemacht, bei der wir dann zwei Riffe auf offener See anfuhren und dabei - alleine auf dem Boot - ausreichend Zeit zum Schnorcheln, Schwimmen, Angeln und Essen hatten. Es gibt tolle Stellen, leider aber auch Riffe mit zum Teil völlig zerstörten Anschnitten, weil von den Ausflugsbooten gedankenlos die Anker in die Riffe geschmissen werden oder Urlauber sich einfach auf die Riffe stellen, um ihre Brillen zu richten oder mal auszuruhen.

Einzigartig ist die Altstadt der 3-Millionen-Stadt Jeddah. In Al Balad, der Altstadt, wurden die Häuser früher aus Korallen gebaut und mit Holzbalkonen versehen, die kühlen Wind in die Wohnung brachten und es zugleich den Frauen ermöglichten, unbeobachtet aus dem Haus zu schauen. Leider zerfallen die Häuser aus den 1920er Jahren immer weiter und wahrscheinlich kann nur der Antrag auf Weltkulturerbe die Altstadt retten. Die Atmosphäre hier ist besonders: über 90 verschiedene Kulturen haben sich in der Hafenstadt niedergelassen, die ja zur jährlichen Pilgerzeit fast 3 Millionen Mosleme aus der ganzen Welt empfängt. Hier wird man mit einem freundlichen "Welcome" auf der Straße begrüßt, die Religionspolizei hat schon lange niemand mehr gesehen und auf dem neuen Prachtstück des Landes im Norden der Stadt, der KAUST (neue Universität für Technologie und Wissenschaft) durfen sogar schon Männer und Frauen zusammen studieren und die ersten Frauen probehalber Autofahren.

Gerade war übrigens auch unsere Bundeskanzlerin Frau Merkel in Jeddah, wo der König des Landes den langen Sommer über verweilt. Wer über Jeddah und ihren Besuch mehr wissen möchte, sollte am Besten den folgenden hochinteressanten "Zeit"- Artikel lesen:

www.blog.zeit.de/joerglau/2010/05/28/in-der-piratengrotte-–-angela-merkel-am-golf_3835

Im 1.Kommentar eines Lesers zum Bericht wird dabei auch die Deutsche Schule erwähnt...

Und nun erstmal: Schöne Ferien!

Samstag, 22. Mai 2010


Eine der Hauptaktivitäten hier in Saudi-Arabien besteht darin, am Wochenende oder in den Ferien in die Wüste zu fahren. Das klingt vielleicht auf Anhieb nicht sehr interessant, doch wenn man dann mal mit einigen der "Ex-pats" hinaus in die Wüste fährt, ist man überrascht, was es dort alles so zu entdecken und zu erleben gibt...

Eine halbe Stunde von meinem Compound entfernt liegen die "Red sand dunes", die vor allem am Wochenende sehr gut besucht sind. Sie eignen sich auch als Tagesausflug und vor allem die jungen Saudis fahren hier am Donnerstag oder Freitag nachmittag wie die Verrückten Quad, auch mit dem Buggy kann man hier unterwegs sein.


2 Stunden östlich von Riad in Richtung Dammam liegt die "Dhana-Wüste". Die Dhana-Wüste ist relativ schmal, doch lang und zieht sich über mehrere hundert Kilometer von Nordost nach Südost. Wenn man über das Wochenende in der Wüste seine Ruhe sucht, dann sollte man hierhin fahren. Die wenigsten Einheimischen (und auch Touristen) trauen sich dabei überhaupt in die Wüste: sie haben Angst vor der Hitze, vor Sandstürmen und dem Steckenbleiben mit dem Auto. (Hier mein Zelt nach einer windigen Nacht). So ist man dann meist allein mit seiner Gruppe dort unterwegs. Auf einer Wochenendtour sahen wir an einer Tankstelle junge Beduinen, die zwei "Dhubs" gefangen hatten.

Wir machten Photos und dann fragte ich einen von ihnen, für wieviel Rial er die kleinere Echse verkaufen würde. Er schenkte sie mir und wünschte mir einen guten Appetit: unter Bedus ist die "Dhub" eine Delikatesse! Ich nahm dankend an und entließ die Echse dreihundert Meter weiter wieder in die Freiheit.


Das Highlight unter den Wüsten aber ist das "Empty Quarter", die Rub Al Khali, im Süden Saudi-Arabiens.Eigentlich ist es strengstens verboten, sich im Empty Quarter aufzuhalten, zu groß sind die Gefahren, nicht mehr hinaus zu finden oder stecken zu bleiben. Deshalb werden die weiten Randgebiete der Wüste auch von der Polizei bewacht und wer entdeckt wird, bekommt einigen Ärger.Man benötigt eine schriftliche Erlaubnis für den Aufenthalt, die man aber nie bekommen würde, wenn man sie in Riad beim Ministerium beantragt. Denn mittlerweile ist auch ARAMCO dabei, das "Empty Quarter" zu erforschen, so dass man immer wieder auf Öl- oder Gasstationen trifft. Die Furcht vor Spionage oder Sabotage ist groß.

Eine Tour in der Rub Al Khali ist nur von November bis April möglich, dann wird es zu heiß.Wir waren mit fünf Autos unterwegs, eine Woche, an der Grenze zu den Emiraten und dem Oman, also nur im Südosten der Wüste.Was mich erstaunte war die Vielfalt der Wüste: rote, gelbe, orange Sanddünen, Geröllwüste, Steinwüste, "Nichts"wüste.
Man sieht schwarze und braune Kamele, kleine gelbliche Skorpione, reflektierende Augen von Wüstenfüchsen, niedliche Drachenkopfechsen, ungefährliche Kamelspinnen, die allerdings bis zu 15cm lang werden, sehr schnell sind und ständig das Licht suchen.

Man findet auch in der Trockenzeit gelbe Wüstenhyazinthen, bräunliche "desert roses", aus Sand und Wasser, die erst in einigen tausend Jahren entstehen, und weißliche "saudi diamonds", eine Art Bernstein, die nach der Verarbeitung gerne als Schmuck verwendet werden.

Man badet in (teilweise zu) heißen Schwefelquellen, isst abends gemeinsam am Feuer und übernachtet im Zelt oder auf dem Dach des Wagens. Man buddelt steckengebliebene Autos aus oder schiebt an, spielt das von mir erfundene "Desert-Volleyball", geht abends und früh morgens spazieren oder auf Spurensuche.

In der einen Woche trafen wir nur auf vier Personen. Drei Pakistaner waren in einer Oase mit dem Befüllen ihrer riesigen Tankwagen beschäftigt als wir ankamen. Beim gemeinsamen Essen erfuhren wir, dass sie die umliegenden Beduinencamps mit Wasser beliefern und sie dabei auch bis in die Emirate unterwegs sind.Die vierte Person war ein Angestellter der ARAMCO-Gesellschaft, der inmitten der Wüste ein kleines Camp unterhielt. Da wir mit Benzin kanpp waren, fragten wir ihn, wo welches zu bekommen wäre. Er lud uns erstmal alle (auch die Frauen) zu Tee, arabischem Kaffee und zum Essen ein, bevor wir dann umsonst alle unsere Tanks bei ihm auffüllen durften. In perfektem Englisch erzählte er uns von seiner Arbeit und bedankte sich zum Abschied bei seinen "ersten Gästen seit eineinhalb Jahren".

Freitag, 30. April 2010

Immer wieder werde ich gefragt, wie das Leben hier so ist, was gut und was nicht gut ist, ob alles so schlimm ist wie man in Deutschland so hört und liest. Doch was antwortet man in ein paar Sätzen? Gar nicht so einfach. Ich will es heute mal mit einem einfachen Plus/Minus - System versuchen. Also was mir hier ganz gut gefällt: + Das Land ist sicher. Damit meine ich, dass man keine Angst haben muss, persönlich belästigt, ausgeraubt oder angegriffen zu werden. Vielleicht liegt es daran, dass die Strafen für Kriminialität hoch sind. Allerdings merke ich generell auch, dass die Menschen hier sehr freundlich und hilfsbereit sind. Auch auf dem Janadriah-Festival, allein unter Einheimischen, war die Stimmung entspannt und wenn man mich ansprach, so meistens mit einem "Welcome!" oder der Frage, ob man ein Foto von mir machen könne. Gefahr droht höchstens von ein paar kleinen Wüstentieren, von denen sich bei einer Wüstentour eins gleich unter meinem Zelt befand... + Es gibt keinen Alkohol. Damit entfallen auch öffentliche Trinkgelagespuren wie leere Dosen, kaputte Flaschen, Urinpfützen und Erbrochenes, sowie Pöbeleien, Agressivität, randalierende Jugendliche, ... + Das Wetter ist angenehm. Im Winter wird es nachts richtig kalt (bis zum Gefrierpunkt). Momentan ist Regenzeit mit viel Gewittern und Temperaturen um die 25 bis 30 Grad. Selbst wenn es dann ab Mai richtig heiß wird (über 40 Grad), ist es trocken dabei und man schwitzt kaum, da alles gleich verdunstet. Eigentlich erlebe ich ja auch nur ca. 2 1/2 Monate die richtige Hitze hier - Mitte Mai bis Ende Juni und nach den Sommerferien, also von Mitte September bis Mitte Oktober. + Das Leben hier kann billig sein. Abgesehen von Miete und Auto sind die Lebenshaltungskosten recht niedrig. Bei einem Pakistaner esse ich zwei Falafeln und trinke zwei Tee für insgesamt 1,20 Euro. 4 Kornbrötchen kaufe ich für 50 Cent. Steuern gibt es hier nicht. Benzin kostet 25 Cent der Liter. 4-5 Euro zum Volltanken! + Es gibt in den "Carrefour"-Supermärkten nicht nur französische Nahrungsmittel von "Bonne maman" bis "Pain au chocolat", sondern auch arabische Speisen und indische, asiatische bzw. afrikanische Küche. Eine Riesenauswahl! Viele Früchte, Gewürze und Gemüsesorten habe ich noch nie gesehen... + Man ist bei den Sehenswürdigkeiten fast immer alleine. Saudi-Arabien ist nach wie vor kein Touristenland und doch gibt es so viele tolle Sachen zu machen und zu entdecken: restaurierte Forts, alte Felsmalereien, verkommene Lehmstädte, hübsche Tropfsteinhöhlen, Tauchen und Schnorcheln, versteinerte Muscheln, Schnecken, Haifischzähne, Quad fahren in der Wüste, heiße Schwefelquellen, Schwimmen, und und und... + Spezieller Pluspunkt für mich: Das Arbeiten an einer kleinen Schule mit französischem Anschluss, so dass der Schüleraustausch ständig "im Kleinen" organisiert wird (Sportunterricht, Sportfest, Schulfest,...). Negative Dinge gibt es natürlich aber auch. - Der Müll! Viele Ecken im Land sind leider völlig vermüllt. So tolle Landschaften, Seen, Wüsten gibt es hier! Doch:... überall Müll! An einem nahen See haben wir keine einzige saubere Stelle gefunden: leere Plastikflaschen und -tüten soweit das Auge reichte! Aber ich habe Hoffnung: auch in Südfrankreich sah es vor 15 Jahren noch so aus, wenn Ihr Euch erinnert. - Der Verkehr! Hier muss Mann (da Frau ja nicht fahren darf) mit ALLEM rechnen: Gegenverkehr auf einer dreispurigen Straße, Fahren im Dunkeln ohne Licht, Kinder am und hinterm Steuer, sich zu fünft nebeneinander auf drei Fahrbahnen drängeln. Bei Sandstürmen und starkem Regen wirds dabei besonders brenzlig.. Und vielleicht zum Abschluss noch ein paar Denkanstöße: * Eine der fünf Säulen des Koran ist die "Almosensteuer". Und das wird hier wirklich gelebt. Nicht nur am Freitag zur "Prayer time" sieht man Menschen Spenden verteilen. Auch spendet man 3,5% des Jahresbruttogehaltes an Wohltätige, Arme, Bedürftige. Soweit ich das mitbekomme, spendet beispielsweise Prinz Walid 200 Mio Dollar im Jahr, Prinz Talal sammelt Bittschriften der Bevölkerung und versucht viele der kleinen Wünsche zu ermöglichen. Auch König Abdullah führt regelmäßig spezielle Empfänge durch, bei denen man seine finanziellen Wünsche vorbringen kann. Was macht unsere Kirche in Europa, was tun unsere deutschen Politiker? * Saudi-Arabien ist eine Monarchie und wird momentan von König Abdullah regiert (der Familienrat hat Mitspracherecht). Er gilt als sozialer und progressiver Staatsführer. Ist die momentane europäische Demokratie, in der alles zerredet wird, in der vor lauter Kompromissen nichts mehr wirklich voran geht und in der zuweilen die Staatsherrscher korrupt und egoistisch regieren, wirklich der Monarchie vorzuziehen? * Die "Abbaya" der Frau wird hier - ao höre ich immer wieder - von den meisten Frauen nach anfänglicher Skepsis nicht als Einschränkung gesehen, sondern als "praktisch" eingestuft. So muss Frau nicht ständig überlegen, was sie anziehen muss, Frau kann kleckern wie sie will, mann sieht es nicht und die Abbaya schützt auch vor Blicken neugieriger Männer. Außerdem gibt es tolle, sehr modische "Abbayas" (nicht verwechslen mit der Burka!)! Aber die Rolle der Frau soll nochmal irgendwann gesondert Thema hier sein.... Soweit erstmal wieder. Bin auf Reaktionen gespannt ;-) Bis bald, Jörg

Freitag, 19. März 2010


Ich denke, es wird Zeit, mal etwas über meine neue Arbeitsstelle zu schreiben.

Die Schulwoche dauert hier in Saudi-Arabien von Samstag bis Mittwoch. Donnerstag und Freitag sind also Wochenende und Freitag Vormittag ist allgemeine „Prayer time“, so dass man in der Millionenstadt fast völlig alleine im Auto und auf den Straßen unterwegs ist. Ein seltsames Gefühl...

Der Unterricht beginnt morgens um 7.40 Uhr und erst etwa 5 Minuten vor dem Klingeln kommen die meisten Schüler (und Lehrer) mit den Compoundbussen an. Bevor die Deutsche Schule vor ein paar Jahren auf das Gelände der französischen Schule gezogen ist, dauerte die Schule nur bis 11 Uhr, doch musste man sich nach dem Umzug an die französischen Busse anpassen, was mal wieder zeigt, dass eigentlich die regionalen Busunternehmen die Schulpolitik machen ;-) Nun arbeiten wir bis 14 Uhr und anschließend noch in AGs bis 16 Uhr.

Die Klassen sind unterschiedlich groß. Klasse 5 hat beispielsweise momentan 5 Schülerinnen und 3 Schüler, die Klasse 9 – in der ich Klassenlehrer bin - besteht aus zwei Jungen und drei Mädchen. Interessant ist, dass es eigentlich kaum „reine“ Deutsche an der Schule gibt, sondern Kinder aus der ganzen Welt hier lernen: Ägypten, Türkei, Philippinen, Polen, Österreich, Senegal, Süd-Afrika, USA und sogar aus Saudi-Arabien. Da mag der Deutschlehrer manchmal verzweifeln, aber was die Fremdsprachenkenntnisse anbelangt, so haben die Kinder hier ein (meines Erachtens) wirklich gutes Sprachgefühl und hohes Niveau. Auch der alltägliche Umgang mit anderen Kulturen ist hier ganz problemlos und selbstverständlich. So lerne auch ich fast täglich neue Dinge aus und über andere Kulturen der Erde.

Die kleinen multikulturellen Lerngruppen machen es aber auch nicht immer ganz einfach. Zum einen haben wir natürlich in manchen Klassen alle Schulformen vertreten, so dass der Unterricht und die Arbeiten differenziert konzipiert werden müssen. Zum anderen fordern die einzelnen Kinder auch mehr Aufmerksamkeit vom Lehrer als in Deutschland: zum Beispiel müssen Arbeitsanweisungen scheinbar immer „persönlich“ (und mehrmals) ausgesprochen oder längere Erzählungen über außerunterrichtliche Ereignisse zugelassen und anschließend gebührend gewürdigt werden.

Erstaunt bin ich, wie hoch konzentriert in der 7. Stunde hier die Schüler noch arbeiten können, wie interessiert sie sind und … wie wenig sie von Deutschland wissen. Aber vielleicht ist das in Deutschland ja auch so. Ich merke es nur jetzt hier, weil ich ja auch ein wenig Geschichte und Gemeinschaftskunde unterrichte.

Es ist für mich als Französischlehrer natürlich toll, nun auch Teil der französischen Schule zu sein. Nicht nur, dass man mittags in deren Kantine sehr gut isst (ohne Wein!), ich von der sehr gut ausgestatteten Bibliothek (CDI) der Nachbarschule profitiere oder man ja in den Pausen ständig ein Französischbad auf dem Schulhof nehmen kann. Auch sind die Kollegen dort sehr kooperativ, so dass wir beispielsweise in der 10.Klasse ab und zu gemeinsam den Sportunterricht machen, unser Kindergarten und die Grundschule an der französischen Sportwoche teilnehmen oder sich meine 9. Klasse einmal im Monat mit einer "Troisième" der Franzosen über landeskundliche Aspekte (Musik, Filme, Regionen) austauscht.

Was auch neu ist für mich, ist das Arbeiten in der Grundschule. Jeweils zwei Stunden Sport in der Klasse 2 und der 3/4, sowie zwei Stunden das Fach „Zirkus“ für die Klassen 2/3/4 zusammen, in denen die Kinder Einradfahren, Laufkugel, Jonglieren, Akrobatik und anderes beigebracht bekommen und alles am Ende des Schuljahres im Rahmen eines Zirkusabends der Schulgemeinschaft vorführen. Der Unterricht in der Grundschule ist auf alle Fälle sehr anstrengend für mich, weil sich jedes Kind in den Sportstunden einfach nur bewegen will (nur leider halt jedes Kind anders und nach dem eigenen Kopf...) und mir fast alle Kleinen dabei eigentlich auch die ganze Zeit (irgend)etwas erzählen möchten ;-)

Ich denke, Ihr habt nun einen kleinen Einblick in mein "neues" Arbeitsleben erhalten. Wer noch mehr über die Schule wissen möchte, kann ja mal hier vorbeischauen:www.dsr.edu.sa.

Das nächste Mal werde ich über meine privaten Aktivitäten und Bekanntschaften berichten und schreiben, was man hier unter der Woche und am Wochenende eigentlich so macht...

Alles Gute!

Samstag, 27. Februar 2010

Erste Touren...


Riad, seit der Unabhängigkeit Saudi-Arabiens am 23.September 1932 die Hauptstadt des Landes, liegt - wie die meisten von Euch sicher wissen - mitten in der Wüste. Eigentlich müsste man korrekterweise sagen, mitten in DEN Wüsten, denn im Norden grenzt Riad an eine riesige trockene Sandwüste, die "große Nafud", während im Süden die "Rub al-Khali" (auch "Empty Quarter") bis fast an die Stadt heranreicht. Das »Leere Viertel" gehört bis heute zu den unzugänglichsten Gebieten der Erde. Sie liegt in einem geologischen Becken und reicht bis in den Jemen und den Oman hinein. Mit einer Fläche von 780.000 km² ist sie die größte Sandwüste der Erde. Ihre bis zu 300 m hohen Dünen erstrecken sich von Norden nach Süden über 500 km, von Osten nach Westen gar über 1.300 km. Weite Teile der Rub al-Khali sind gänzlich wasserlos und vollkommen ohne Vegetation.

Doch das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen...


Riad liegt mehr als 600 Meter hoch auf einem Plateau, das im Westen abrupt abfällt und so eine atemberaubende Landschaft schafft. Man fühlt sich erinnert an "Monument Valley" in den Staaten oder an den Nordosten Namibias. Diese Kante - oder auch "Jebel Tuwaiq escarpement" genannt - durchläuft fast 800 Kilometer das Land, wobei das Plateau im nördlichen Al Qasim-Gebiet eher sanft abfällt und erst allmählich auf dem Weg Richtung Riad diese imposanten Steilwände aufbaut. Pilger, Händler und Kamelkarawanen mussten im Mittelalter auf ihrem Weg nach Mekka diese gefährlichen Abhänge hinunter (oder hinauf) und lange waren es einzig die Beduinen, die die wenigen umschlungenen Wege durch das Escarpement kannten und ihre Kenntnisse gut zu vermarkten wussten.


Heute werden diese "Camel tracks" nur noch von wenigen, meist europäischen, Wanderfreunden genutzt, die dann allerdings ganz begeistert die Stille und die Schönheit der Natur genießen. Da werden zuweilen Erinnerungen an die Geröllwege des GR 20 auf Korsika wach. Und auch zahlreiche Gumpen und kleine Bdewannen findet man hier, in denen man allerdings, aufgrund der wenigen Niederschläge, wohl nur äußerst selten baden kann. Oben an der Abbruchkante gibt es - neben dem Blick den wir hatten - wohl zahlreiche, noch spektakulärere Aussichtspunkte, die aber, wie ich an einem anderen Tag nach mehrstündigem Umherirren mit meinem Auto feststellen musste, ohne gründliche Orts- bzw. Arabischkenntnisse und gutem 4-Rad-Antrieb für einen Touristen gar nicht zu erreichen sind.



Im Süden der Stadt findet man - ganz ohne Suchen - den "Riad River", momentan noch ein Geheimtipp. Manche sagen, ein Wunder Gottes, dass es hier, mitten in der Wüste, überhaupt einen Fluss gibt. Andere hingegen haben eine einfachere Erklärung: Zu Beginn der 70er Jahre wurde ein österreichisches Unternehmen beauftragt, die Wasserversorgung für die immer weiter wachsende Stadt zu sichern. Also baute man am etwa 500 Kilometer entfernten Persischen Golf mächtige Entsalzungsanlagen, bohrte zwei riesige Pipelines unter der Wüste hindurch und schon war Riad mit Trinkwasser versorgt. Leider (oder eben auch nicht) brach wohl ein paar Jahre später eines der angeschlossenen Nebenrohre und beschert seitdem der Stadt ein wahres Naturparadis: Welse, Kraniche, Greifvögel, Frösche, Schlangen, Libellen und viele mehr verbringen nun hier ein (noch) ungestörtes Leben. Und schon überlege ich, wie man hier an ein Kanu kommt...


Bis bald!

P.S.:
Die Bilder können durch Anklicken vergrößert werden...
Ich nehme auch Themenwünsche entgegen ;-)

Dienstag, 16. Februar 2010

Erste Eindrücke...


So... Nun bin ich also in Saudi-Arabien. Ein Kollege, der mich heute Abend hier am King Khalid Flughafen abholen wollte, ist natürlich noch nicht zu sehen, denn die Passkontrollen gingen unerwartet schnell und problemlos vonstatten und da auch das Gepäck bereits da ist, stehe ich mit meinen drei Taschen - meinem Hab und Gut für die nächsten Jahre - eine halbe Stunde vor unserem Treffpunkt draußen im Dunkeln an der Straße und warte. Alle paar Minuten werde ich auf Englisch angesprochen, ob ich ein Taxi bräuchte, wo ich hin wolle und woher ich komme. Überaus freundlich, hilfsbereit und gar nicht aufdringlich werde ich hier empfangen.

Doch dann kommt mein Auto und wir fahren los. Der King Khalid Flughafen liegt ca. 30 Kilometer von Riad entfernt in der Wüste, doch schon nach wenigen Momenten erscheint ein riesiges Lichtermeer aus Kränen rechts neben der Straße, eine Baustelle, die man nur ausschnitthaft auf das Photo bekommt: Hier am Rande der Stadt entsteht momentan die riesige "Princess Nora University" als Verbindung zwischen Flughafen und Zentrum. Nora ist eine Nichte von König Abdullah und nach seinem Willen soll hier Ende des Jahres (!) eine moderne Lernstadt eingeweiht werden, an der dann alle Frauen Saudi-Arabiens studieren können.

Nach Passieren eines "Check point" erreicht man dann die Stadtgrenze. Bevor es in unseren Compound geht, drehen wir noch eine kurze Runde durch die City. Wir kommen am "Kingdom Tower" vorbei, dem Wahrzeichen der Stadt, der aussieht wie ein Flaschenöffner und der seit 2002 mit 302 Metern als das höchste Gebäude Saudi-Arabiens gilt. Alle Gebäude, die hier den Namen "Kingdom" tragen, gehören zu Prinz Walid, der als einer der reichsten Männer der Welt gilt und groß(artig)e Projekte im Land verwirklicht (Kingdom Hospital, Kingdom schools, Kingdom Compound,...).

Ein Stück weiter ist der "Al Faisaliyah Tower" zu sehen, in dem sich - oben in der Kugel - ein Restaurant befindet, von dem man aus einen tollen Überblick über die Stadt bekommt (siehe Photo ganz oben). Der Al Faisaliyah-Turm war der erste Wolkenkratzer des Landes und wurde erst im Jahr 2000 gebaut, denn lange wusste man nicht, ob der Kalkboden unter der Stadt so schwere Gewichte überhaupt tragen kann. Da fast alle Straßenschilder nur auf arabisch geschrieben sind, helfen die beiden Türme auch, sich in der ansonsten eher flach gebauten 5-6 Millionen-Metropole zurechtzufinden. Durch den starken Verkehr geht es dann hinüber zu unserem Compound, im Westen der Stadt, nicht weit weg vom Diplomatenviertel, das hier von allen nur "Dikju" genannt wird.

Die arabischen Familien sind meist sehr groß und deshalb sind auch die Unterkünfte im Land großzügig gebaut. Meine neue Bleibe ist möbliert und hat außer zwei Gästezimmern, einem Arbeitszimmer, einer Empore, einem kombinierten Ess- und Wohnzimmer, auch eine extra Waschküche und eine kleine Terrasse mit Garten.
Zum etwa 60-Häuser-Compound gehören dann noch ein kleiner Pool, Spiel- und Sportplätze, ein Tennisplatz und ein Fitnessraum. Vor allem meine Terrasse und den kleinen Garten nutze ich momentan fast ständig, da das Wetter tagsüber sehr angenehm ist (trocken, etwa 25 Grad) und man sich sehr gut in der Sonne aufhalten kann. Eine "Mitbewohnerin" habe ich auch schon: Milka. Eine schwarzweiß gefleckte ... Katze. Sie kommt laut miauend um die Ecke sobald ich die Terassentür aufmache und leistet mir dann den Nachmittag über Gesellschaft.

Das Viertel, in dem ich wohne, scheint zu den eher vornehmen der Stadt zu gehören. Fast in Blickweite befindet sich ein nobler Prinzenpalast mit einem riesigem Park und eigenem Sportstadion. Außerdem stehen hier großzügige Villen aus Italien und aus Frankreich, aus der Rokokozeit und aus der Moderne. Dazwischen jedoch auch schmucklose Compoundmauern mit Stacheldraht. Alles schön bunt gemischt also.


Kaum zwei Minuten Fahrtzeit von hier, beginnt zugleich das schicke "Wadi Hanifah". Dieses ausgetrocknete Flussbett umschlängelt eigentlich den gesamten Westen der Stadt. Schick ist es deshalb, weil das "Wadi Hanifah" in den letzten Jahren umgestaltet wurde und nun auch für das "normale" Auto zugänglich ist, so dass es sich zu einem überaus beliebten Picknick- und Grillplatz entwickelt hat, in dem man sehr schön spazieren gehen oder Rad fahren kann.

Soweit meine ersten Infos aus dem Land.

Im März lest Ihr dann von geglückten und gescheiterten Ausflügen und ihr erfahrt mehr über den reißenden Fluß (?!) der Stadt.

Liebe Grüße

Samstag, 30. Januar 2010

"Welcome to the Oman!" So ruft der omanische Grenzbeamte freundlich winkend all jenen zu, die nicht wegen ihrer Visumverlängerung für die VAE an die Grenze kommen, sondern wirklich das Land bereisen möchten und alle Formalitäten dazu nun hinter sich gebracht haben.

Und wirklich fühlt man sich hier gleich hinter der Grenze irgendwie willkommen: nette, aufgeschlossene Menschen, angenehmer Verkehr, saubere, fast unberührte Natur und viele unterschiedliche Tiere geben sobald ein beruhigendes Gefühl. Der Oman zeigt sich modern und wohlhabend und verbindet dies bescheiden elegant mit alten Traditionen und einer ausgeprägten Naturverbundenheit. Dass man nicht in eine Hinterwelt geraten ist, wird einem spätestens klar, wenn man beim Geld abheben feststellen muss, dass der Rial doppelt so stark ist wie der heimische Euro.

Da sind zunächst die Städte. Zum Beispiel die "weiße Stadt am Meer", Sohar, in der der Legende nach Sindbad der Seefahrer geboren wurde.

Da ist natürlich die Hauptstadt Muscat, mit ihrer großen Moschee, die auch von respektvollen Nicht-Moslemen besucht werden darf, und ihrem beliebten Stadtteil Mutrah, in dem man sich - hinter den alten weißen Kaufmannhäusern an der aussichtsreichen Hafenpromenade - in den eng verzweigten Gassen des bunten und lebhaften Souks leicht verlieren kann.
Muscat erstreckt sich über mehrere Kilometer und schmiegt sich sanft an die verschiedenen kleineren und größeren Hügel der Hajar-Ausläufer. Die Hochhäuser, die bis vor wenigen Stunden noch allzu präsent waren, sucht man hier vergeblich: Man versucht, mit der Natur zu leben und sie nicht zu zerstören.

Die eigentliche alte Stadt mit dem modernen, bunten und imposanten Sultanspalast befindet sich am äußersten Ende der Stadt. Die hoch über der Stadt thronenden, zum Teil zerfallenen Wachtürme zeugen noch von der Bedeutung Muscats in vergangener Zeit.


Hinter der Altstadt findet man dann die wunderschönenen und vielfach sehr versteckten Strände, die nicht nur am Wochenende äußerst gut besucht sind.
Würde man nun hier weiter Richtung Süden fahren, so käme - abgesehen von den Schildkrötenbrutstätten - erst nach 900 Kilometern wieder eine große Siedlung - Salala - die grüner und arabischer als Muscat sein soll.

Da ist aber auch noch Nizwa, die reizende kleine Stadt im Hajar-Gebirge, die wegen ihrer Lage und ihrer Umgebung zu Omans beliebtesten Ausflugszielen von Einheimischen und Touristen zählt. Hier findet man neben der "Al Hotta"- Tropfsteinhöhle und alten restaurierten Lehmforts auch den mit über 3000m höchsten Berg des Oman - den "Jebel Shams" - um den sich steinige und schwer befahrbare Wege winden.

Am Fuße des Gebirgszuges liegt der "Grand Canyon" Arabiens. Warum? Schaut Euch die Bilder an, dann wisst Ihr es: über 1000 Meter steile Felswände und eine Schlucht, die nur für wagemutige Wanderer gemacht ist. Das Auto kommt im Wadi Ghul nur ca. 500 Meter weit, dann ist Schluss hier. Aber zahlreiche andere verlassene Wadis sind nicht fern und etwas besser mit dem 4WD zu durchqueren.

Ach! Die Tage waren viel zu kurz für das vielleicht arabischste Land, das dem Touristen momentan zugänglich ist. Nur allzu gerne käme ich wieder hierher! Soviel gäbe es noch zu sehen und zu entdecken. ... Und vielleicht habe ich Euch ja auch ein wenig auf den Geschmack gebracht... ? ;-)